MITTELDING
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„Die Krönung dieses Werkes ist das Inhaltsverzeichnis. Nach diesem sollte man seine Gefühle ausleben.“- Der Verfasser
Am Friedhof ziehen die Seelen marsmächtig gegen Norden. Manche sind tapfer und ziehen aufrechten Ganges dahin. Andere schlurfen mit geknickten Hälsen, erbrechen ab und zu die Vergangenheit und leben weiterhin nicht im Jetzt.
Für diese Sorte war es überhaupt recht schwer im Jetzt und Nun zu leben. Nicht einmal im Tod sind sie fähig dazu.
Die Marsmächtigen erklimmen die Höhen und sehen nicht zurück.
🔗Wie erbärmlich & klein & schüchtern fühlt man sich, wenn man am eingefriedeten Hof ein Märchen erfinden soll.
Es ist vor allem peinlich, wenn man von Unbeteiligten beobachtet wird.
Aus Scham könnte man in das nächste Grab versinken. Doch, Kopf hoch! Eine gestellte Aufgabe gehört durchgeführt! Ein bezeugter Wille getan! Tun ist Bewegung, ist gleich Leben...
Rankende Blätter warten auf Bäuche, die an die Vernunft appellieren. Von der Höhe aus waren die Marsmächtigen noch mächtiger, noch stärker. Vor allem waren sie höher oben und weiter vorne; ziemlich weit vorne. Mit steinernen Blicken verwünschten sie ihr vergangenes Leben. Einer darunter lächelte süß. Er war zufrieden mit dem Tod, wie auch vorher mit dem Leben.
Ein Foto von diesem Grabstein und ein Zitat von jenem:
"There’s nothing more to say. Now You’re gone away!“
Der Friedhofsbegleiter erzählt mir: „Gestern stellte sich mir eine dermaßen große Peinlichkeit für die Phantasie ein, und sicherlich auch bei Michael, nachdem wir, beide Liebhaber von Theresa, uns zufällig zu dritt trafen."
Der glückliche Tod impliziert ein glückliches Leben und umgekehrt.
Diese Feststellung ist wahr, denn die Marsmächtigen sind tot.
🔗Noch peinlicher als die erzählte Peinlichkeit, ist die fühlbare Peinlichkeit, die mir beim „Nackt ausziehen“ meines F.B.’s widerfuhr.
Wie kann man nur solch intime Sachen an solch intimen Ort kundtun? Ich möchte ein Märchenbuch schreiben und nicht hinter die schmutzige Wäsche des Nachbarn schauen! Soll er sie doch zuhause aufhängen!
🔗
Bereuen werden sie kaum, denn sie sind sehr stark. Der Sonnenschein, welcher dem Regen folgte, erwirkte keine Wesensänderung.
Intellektuelle Gedanken sind beim Konzipieren eines Märchenbuches nicht angesagt. Doch manche Grabinschriften beinhalten eine so gewaltige Aussagekraft, dass mein F.B. und ich buchstäblich niedergeschlagen wurden:
„Du warst der Beschleuniger meiner Liebe!“
Solche Sachen deuteten uns meistens, dass es Zeit zur Entspannung war, und wir setzen uns auf eine nahegelegene Bank, oder ins Gras, und ließen „blaue Gedanken“ in den blauen Himmel.
„Wie wird es sein, wenn wir alt geworden sind?“, fragte ich den F.B..
„Wir werden nicht alt!“, antwortete er.
„Warum beschäftigen wir uns eigentlich so innig mit dem Tod?“
„Er liegt hier auch so dicht und geballt in der Luft, da sind unsere Gedanken ganz natürlich!“
„Und aus all dem muss unser Märchen entstehen, und einer muss unser Bild malen. Und nur wir vielleicht werden es verstehen können, denn wir erleben es!“
„Wir haben wohl beide zu viel Klaus Mann gelesen!?“
🔗Wenn sie ihn finden, werden sie verzweifeln, denn dann begreifen sie das Leben, die Marsmächtigen.
Zweifel steigen auf in Köpfen beider. – Buch des lächerlichen Friedhoftreffens. – Beäugen der Tätigkeit des Anderen. – Lauschen der Bewegung. – Titel sind Schall und Rauch. – Grabsteine trügen nicht. – Tauben auf Gruppe XIV
Sie reckten mächtig die Arme hoch und dachten, jeder für sich, über ihre vollbrachten Werke nach. – Welche Werke hatten sie schon vollbracht? Nichts großartiges, nichts bewegendes. Sehr schwach & klein war das alles. Nichts, zum Beispiel gegen eine R.o.s.e. (Schlechtes Beispiel, denn eine Rose braucht keine Existenzberechtigung. Doch ein Marsmächtiger sollte sich in Frage stellen!).
Je mehr sie über ihre Schöpfungen nachdachten, desto weniger konnten sie ihre Gedanken ordnen. Hatten sie wirklich existiert?
– Doch nun s i n d sie!
🔗Jetzt wissen wir wenigstens, wofür ein regnerischer Tag gut ist. Nicht allein, um schöne Blumen wachsen zu lassen…
„Wer im Gedenken seiner Lieben lebt, ist nicht tot, nur fern.“
Typische Friedhofsstimmung, welche uns befähigt unseren Willen durchzusetzen.
„SEINE STÄRKE WAR SEIN WILLE. SEIN LEBEN WAR SEINE STÄRKE.“
– Gibt es am Friedhof Erotik & Sex? – Schauen wir uns um und forschen wir!
Hinter jedem Busch und zwischen jedem Strauch finden wir was zählt. Das ist das Schöne am Friedhof!
🔗„Dieser Friedhof ist der Spiegel meiner Seele. Ich werde mir selbst bewusst! Ich bin in der Vergangenheit, zugleich in der Gegenwart & auch in der Zukunft!
Ihr Friedhöfe! Ich werde euch immer lieben! Ihr bringt mein Herz zum Singen!“
Verschreckt über diese, seine Gedanken, schaute er in die Runde. Die unbewegten Augen ließen ihn rasch zur Ruhe kommen und so besann er sich:
…alleine denken …frei sein …für ewig…
🔗„Sie soll mitmachen, sie hat mir die Kraft gegeben fortzusetzen!“
„Warum soll ich dagegen sein?“
„Friedhöfe brauchen viel Sinnlichkeit, ebenso Märchen, und sie wird das Bild malen, unser Bild malen!“
„Ich freue mich über jede Bereicherung!“
🔗Das Kantige gehört abgerundet, das Stumpfe geschliffen, das Morbide belebt. Setzt die Hobel an und begreift das Leben!
– Hatten sie jemals geliebt? Wenn nein, so waren sie schon zu Lebenszeit Tote!
🔗„Wann hast Du eigentlich zum letzten Mal geweint?“, fragte mich mein F.B..
„Das war vorige Woche, aus lauter Glück heraus. Du weißt ja, ich habe mich verliebt. Es geschieht so ganz einfach: zum Beispiel, ich höre schöne Musik und schon schießen mir Glückstränen ins Gesicht!“
„Das ist ja unglaublich schön…!“
🔗Traurigkeit war ihnen allen in die Augen geschrieben.
Bis auf den Zufriedenen. Bei ihm war es Ausgeglichenheit, die man ihm ansehen konnte.
🔗„Wenn ein Kind auf einen Selbstmörder trifft, und ihn davon zu überzeugen versucht, dass das Leben lebenswert ist, so bedeutet das sicherlich größte Willensanstrengung für eben dieses Kind, und die Seele dieses Kindes ist höchst gefährdet Schaden zu nehmen…!
„Auf solche Gedanken kommst Du also hier! Um Dich von solch Traurigem abzulenken, erzähle ich Dir nun unser Friedhofsmärchen: Ein Märchen, wo alle nett und friedlich beisammen sitzen, – natürlich am Friedhof – um der Toten zu gedenken. Und plötzlich werden die Verstorbenen lebendig; denn dadurch, dass jemand an sie denkt, bestehen sie fort, wenn auch nur in Gedanken. Aber auch Gedanken können lebendig sein. So sitzen wir also hier unter Toten, die lebendig sind. Und es sind auch einige Lebende darunter, die tot sind: die Verachtenswerten! Sie leben ohne jeden Bezug zum Leben dahin. Sie genießen die Genüsse, ohne richtig zu denken. Vielleicht denken sie auch anders! Über den Wolken sehen sie ihr Phantasiegebilde, nach dem sie streben. Wenn sie es dann endlich erreichen, brechen sie zusammen, resignieren und versuchen dann eine ‚Sisyphosähnlichkeit‘ aufzubauen… immer brav einen neuen Anlauf nehmen, denn die Anstrengung erzeugt Gefühl. – Jeder fühlt! – Kälte. Wärme, Hass, Liebe, Freund- und Feindschaft, Aktivität, Müdigkeit; immer weiter in neue Dimensionen, die dann hoffentlich endlich lebenswert sind!“
Viele Tote & viele tote Lebende werden nun also tatsächlich lebend und aus dem Märchen wird Wirklichkeit, das wirkliche Leben.
🔗Die ausgeglichene Weise, mit welcher der Zufriedene seiner Umwelt entgegentrat, säte von Mal zu Mal mehr Gutes im Boden der Teilnahmslosigkeit. Nicht lange mehr, und die Früchte konnten geerntet werden.
„Souveränität ist eine Frage des Gemüts, nicht wahr?“, fragte ich den F.B..
„Nein, Du brauchst nur ehrlich sein, vor allem ehrlich Dir gegenüber, dann lebst Du richtig!“
„Kann man denn falsch leben?“
„Ja! Stell Dir vor, Du bist Dein ganzes Leben über unterwürfig, ergeben der Ansichten der Anderen! Bist Du dann eine Persönlichkeit, hast Du dann einen Charakter?“
„Es gibt so vieles, was eine Person oder einen Charakter ausmacht, das ist sicher nicht von Unterwürfigkeit abhängig! Zum Beispiel gibt es da so Sprüche wie etwa:
Von Tag zu Tag pinkeln immer mehr Männer gegen Hauswände oder Bäume. Mitbürger! Wehrt euch gegen diese Pisse! Reitet einen weißen Schwan!
Stell Dir nun vor, Du bist in der Situation gegen eine Hauswand pinkeln zu müssen, um Dir Erleichterung zukommen zu lassen! Hast Du deswegen keinen Charakter? Würdest Du Dich besser selbst anmachen?
Persönlichkeit. Oder, der Spruch: An Granit beißt man sich die Zähne aus! Oder, weiter: Kalter Kaffee wird nicht aufgewärmt! Würde es Dich deswegen davon abhalten eine Anbetungswürdige weiterhin anzuhimmeln?“
„Die Liebe kennt keine Persönlichkeit und auch keinen Charakter und keinen Stolz u.s.w….“
🔗Er stellte sich vor, er wäre alleine im Tod, das wäre schrecklich.
Wäre er einsam im Leben gestanden, so wäre das nicht so schlimm gewesen, denn er war ein erdverbundener Mensch (gewesen?).
Er liebte das Wasser, die Steine und die Pflanzen. Dies machte ein großes Teil seines Lebens aus. Natürlich aber, war ihm die Gesellschaft anderer Menschen auch sehr wichtig.
Man konnte sich Gefühle mitteilen, man konnte lieben – wenn man konnte!
🔗„Wer liebt, hat alles Recht der Erde!“
Nach jedem Tief kommt ein Hoch und umgekehrt. Nach jedem Glück kommt Pech oder Unglück und umgekehrt. Alles was hochfliegt, fällt auch tief.
Der zufriedene Marsmächtige war ein Weiser, und deswegen schwieg er und lächelte still in sich hinein.
🔗„So viel Schönheit auf einem Fleck!“, staunte ich über das reizende Geschöpf, welches den Rasen vor einem wunderschönen Grabstein gestaltete.
Nach kurzem Augenkontakt mit ihr, brachte ich den Mut auf, zu ihr zu gehen, und sie anzusprechen: „Ist es ein naher Angehöriger?“, fragte ich respektvoll.
„Ja, mein Mann! Er starb bei einem Autounfall! Wir waren so glücklich!“, sagte es und brach in Tränen aus.
Ich war unglücklich darüber, dass ich durch einen plumpen Annäherungsversuch Traurigkeit hervorgerufen hatte. „Wann ist es passiert?“
Sie antwortete nach einer längeren Pause: „Vor einem halben Jahr, er war schuldlos an dem Unfall! Es ist, als hätte das Leben seitdem keinen Sinn mehr! Wie viele Prüfungen hat man denn in seinem Leben zu bestehen, um seine Schuldigkeit getan zu haben?“, fragte sie mich verzweifelt.
Mir fiel der dreiundzwanzigste Tag ein, und der Wille drängte sich auf, Zufriedenheit und Ruhe zu geben.
„Haben Sie Beistand von Verwandten & Bekannten erhalten? Gibt es jemanden, der mit Ihnen fühlt?“
„Ich habe niemanden, außer meinen Mann!“
Sie sprach das in der Gegenwart, was mich wunderte.
„Ja, aber er ist doch tot, er weilt nicht mehr unter uns!?“
„Für mich existiert er weiter, denn ich brauche ihn!“
„Wenn Sie den Tod akzeptieren, werden Sie dieses Unglück schneller verkraften lernen und in das wirkliche Leben wieder einsteigen können!“
„Was ist denn das wirkliche Leben? Etwa, ununterbrochen durch Unglück gemartert werden?“
„Man kann das Leben nicht begreifen, aber trotz allem gibt es viel, was es lebenswert macht. Da gibt es die Einbildungskraft, die uns in vielen Lebensbereichen erhaben macht und weiterhilft. Ich frage mich in Ihrem Fall, ob es wirklich die endgültige Trennung ist, die Ihnen soviel Kummer bereitet. Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber es bestünde doch die Möglichkeit, dass es von Zeit zu Zeit doch nicht so gut geklappt hat in Ihrer Beziehung, doch durch eine Kraft, die es vielen Paaren ermöglicht gut zu harmonieren, man möge diese Kraft Einbildung nennen, war also alles tadellos. Sie sollten nun die gleiche Art benutzen, um über diesen Schicksalsschlag hinwegzukommen, nämlich die Hoffnung auf die Chance einen noch besser zu Ihnen passenden Partner zu finden. Das ist zwar jetzt ziemlich taktlos, was ich da veranstalte, aber Diplomatie war nie meine Sache.
Wie war doch gleich die Anschauung von Plato, dass auf der Erde die ideale Kombination von Partnern herumirrt, bis sie sich endlich gefunden hat? – Ich habe es leider vergessen! – Doch, um auf das lebenswerte Leben wieder zu kommen: Das schmerzlichste Gefühl gehört ebenso dazu, wie das freudigste Ereignis. Sie sollen ihren Mann nicht vergessen, aber von ihm loslassen. Ich rede jetzt, natürlich, als nicht direkt Betroffener, unbekümmert, aber ich möchte nicht, dass Sie sich kaputtmachen!“
Zuerst schwieg sie; ordnete voller Skepsis ihre Gedanken; sah mich dann trotz des nüchtern Gesagten voller Wärme an und meinte:
„Ich weiß, ich versuche es ja auch schon einige Zeit, aber es ist nicht leicht!“
Nach diesen Worten kam sie mir vor, wie eine Statue, die aus ihrer Versteinerung erwachte. Ich bot ihr meine Dienste an, für den Fall, dass sie sich einsam fühlte, und wir tauschten Telefonnummern und Adressen aus.
🔗Die Marsmächtigen standen herum, und wussten nichts mit sich anzufangen. Man erhielt die Empfindung des ‚ewig Zeitlosen‘.
Der eine Marsmächtige wollte nicht länger sinnlos herumstehen.
Er wollte gerne etwas bedeutenderes tun. Das würde seiner Gesellschaft sicherlich arg missfallen. Die ihnen eigene Moral hemmte ihn.
Schließlich entschloss er sich doch, sich zu bewegen, und versuchte auszubrechen, ohne Aufsehen zu erregen.
Er setzte seinen Willen durch, und begab sich also an einen Ort der Einsamkeit.
Und wieder war es Zufriedenheit, die ihn erfüllte.
Passivität war nicht seine Sache. Bewegung ist die Ursache aller Freude. Auferlegte Starre macht traurig.
🔗Am besten einsam leben & einsam sterben, da kann einem niemand was dreinreden. Doch was wäre das Leben ohne Mitmenschen & ohne Probleme?
„Ich stelle mir das Paradies, falls es eines gibt, irrsinnig fade vor! Im Grunde spielt sich da nichts ab. Alles schwebt auf einer Wolke der Glückseligkeit! Alles schmeckt gleich! –
Wenn ich wählen könnte, zwischen Gut & Böse, zwischen Engel & Teufel, ich würde mich für das Böse entscheiden, denn es birgt mehr Bewegung in sich!“
„Aber es ist unbeständig!“, meinte mein F.B. und wies auf einen Grabstein mit folgender Inschrift:
„Was wir bergen in den Särgen, ist der Erde Kleid. Was wir lieben, ist geblieben, bleibt in Ewigkeit!“
Ich begriff, dass er meine Ansicht nicht teilen konnte, wandte mich von ihm ab und sprach in mein Diktiergerät folgende Worte:
„Er ist halt ein Glied der Gesellschaft, welches sich der ‚Moral‘ bis zur letzten Konsequenz unterwirft. Am besten keine Verantwortung übernehmen; keine eigene Meinung haben, um ‚gesellschaftsfähig‘ zu bleiben.
Seinem Charakter mangelt es an Exklusivität und Idealismus. Wie kann er da noch Verlangen nach Geltung haben?“
🔗Was ihm Kopfzerbrechen bereitete und worüber er sich Gedanken machte, war die besitzergreifende Liebe. Ab und zu hatte sich diese früher eingeschlichen.
Er erinnerte sich an Marcel Proust:
„Die besitzergreifende Liebe will alles oder nichts. Tatsächlich ermordet er sie nicht, weil er an ihre Untreue glaubte, sondern weil der Mord der einzige Weg war, sie voll und ganz besitzen zu können. Denn solange sie lebte hatte sie Gedanken und heimliche Wünsche und gehörte ihm nicht ausschließlich.“
Die Frau des Marsmächtigen meinte zu ihm immer wieder:
„Sobald Du meinst mich zu besitzen, hast Du mich schon verloren!“
Nur mit Mühe hatte er sich gegen das Einschleichen dieses Dämons zu helfen gewusst. Nicht einmal die ‚wahre Liebe‘ konnte das häufige Auftreten der ‚Besitzergreifenden‘ verhindern. – Der Gedanke daran machte ihn ein wenig traurig. Das Wechselspiel der Gefühle setzte sich also fort! Niedergeschlagenheit & Hochgefühl, wie im Himmel also auch auf Erden und umgekehrt!
Das Menschliche pflanzt sich fort und vermehrt sich, und der ewige Lauf, der unendliche Kreislauf kann nicht aufgehalten werden.
🔗Unser Unternehmen war schon ziemlich zum Scheitern verurteilt, nachdem sich der Alltag unheimlich rasch einschleicht, wenn die Faszination einer Sache langsam abklingt. Doch meistens die Tage um Vollmond herum ließen in mir das Gefühl wach werden, dass weitergemacht werden soll.
La luna – die mit der Erde Verbundene. – Mitgehangen, mitgefangen. Doch was verbindet die beiden, die Mond & die Erde?
Das Berühren eines menschlichen Körpers ließ mich schon öfter die Erdverbundenheit fühlen & spüren. Doch warum mir beim Spüren des Mondes (ich brauchte ihn nicht zu sehen, denn ich fühlte auch ohne seinen Schein, dass er ziemlich schwanger war) die Verbundenheit mit der Erde so bewusst? War das Mondsucht? Nein, denn ich suche ihn nicht, ich brauche ihn, denn die Erde braucht ihn auch, und ich bin total erdverbunden, denn ich bin ein Wesen der Erde. –
Berührt durch diese Gedanken, schrieb ich nun diesen Tag, der das Leben bewusst und den Tod unwichtig erscheinen lassen soll.
„Marsmächtig sein ist keineswegs mit Erdverbundenheit gleichzusetzen. Noch dazu ist es schwer vorstellbar, anders als die Masse zu sein. –
Die Marsmächtigen fühlen sich wohl, weil sie Herdentiere sind. Ein Schaf läuft dem anderen hinterher, und das gibt ein unheimlich großes Sicherheitsgefühl. Als irdisches Wesen bist Du klein und kommst Dir ziemlich verloren vor. Hänge Dich an andere, und Du wirst stark & marsmächtig! Doch erkennst Du Deine Rolle, wirst Du Dir gemeinsam mit der Erde bewusst, beginnst Du zu leben!“
Mein F.B. konnte diesmal meine Worte nicht kritisieren, denn aus verschiedensten Gründen, wollte er sich dazu nicht äußern.
🔗„Wir sind jetzt mitten in der Sache und da gibt es kein aus und kein ein mehr!“, sagte es und malte in Gedanken sein Bild.
„Lass Dir doch noch eine Geschichte über den glücklichen Marsmächtigen einfallen! Ich finde ihn total geil!“
„Er war genau im richtigen Moment gestorben, nicht zu früh und nicht zu spät!“
„Gibt es das eigentlich? Man stirbt doch immer zu früh oder zu spät?“
„Jetzt unterbrich mich bitte nicht, wo ich gerade weit aushole! Das Schwierige ist, dass die Sprache so viele Worte hat, die stark das Gefühl ansprechen. Je nach Charakter und Mentalität des Redners oder Zuhörers oder Lesers oder Schreibers.
Würde man versuchen, sich nur durch Gefühle auszudrücken, wäre das genauso langweilig, wie im sechsundzwanzigsten Tag zitierten Paradies. Deswegen ist die Sprache absolut der Erde zuzurechnen! –
Merken wir uns:
So, jetzt fahre ich weiter fort:
Das heißt, das Leben ist total schwierig & kompliziert. Du hättest es sicher leichter, wenn Du alleine wärst, was Du wahrscheinlich nicht aushalten würdest. Denn es ist reizvoller, das Leben in (menschlicher) Gesellschaft zu verbringen: denn das macht alles noch komplizierter. Wenn wenigstens alle die gleiche Bildung hätten. Aber nein, die Erziehung, die Umgebung, die Erfahrung mischen da kräftig mit.
Viele, die dieses Ding hier lesen, werden sich langweilen und auch nur schlecht urteilen. Manche wiederum werden weinen oder lachen. Einige werden es verdammen und andere wieder werden es hochheben (letzteres braucht lediglich ein rein physischer Akt zu sein). Doch, egal, es ruft eine Reaktion hervor, außer bei den Marsmächtigen, die warten erst die Meinung anderer ab, um sich ein Urteil bilden zu können.
Wenn nun der Sinn dieses Dings einzig & allein sei, eine Bewegung auszulösen; wäre das nicht schon genug? Man kann & muss sich nicht mit allen Dingen auseinandersetzen, aber diejenigen, die es tun, sollten das Beste daraus machen!“
„Das war jetzt eine Hymne an Deine außerordentlichen Talente, sehr gut!“
„Moment, bitte, es gibt ja hier auch noch etwas über die Augen zu erzählen! Der Mensch ist ein Augentier, habe ich einmal gehört. Somit zeichnest Du wahrscheinlich mit größerem Anteil, bezüglich Reaktion verantwortlich, als ich es mit meinem geschriebenen Wort tue. Du malst eine Welt und servierst diese der Öffentlichkeit. Hast Du weniger Angst vor der Verständigung, als ich? Wir sind ein wenig marsmächtig und ein wenig erdverbunden und deswegen feige & tapfer zugleich!“
🔗Es war ihm äußerst wichtig, eine Ansprache zu erhalten. Wie bei einem Wellensittich, wo man gleich sehen konnte, dass das Gefieder geschmeidiger wurde, wenn man mit ihm plauderte.
Doch meist war es so, wenn er nach tagelanger Isolation und Einsamkeit angesprochen wurde, drängte er sich, unbewusst, so penetrant auf, dass der jeweilige Gesprächspartner das Gefühl erhielt, ersticken zu müssen. Was natürlich bei jenem auslöst, diesen weiterhin alleine zu lassen.
Er zweifelte oft an seiner Lebensfähigkeit. Hatte er das nötig?
🔗Die vereckte Zeit im Erdrhythmus versprach unterzugehen, und hervor sprang jener Geist, der die endlichen Dinge der vergangenen Periode endgültig zum Vergessen zwang.
Dieser Zwang war jedoch sehr positiv zu sehen, denn die Ewigkeit war etwas noch zu Unerklärbares, somit keine oppositionelle Äußerung möglich war.
Man lebte in dieser neuen Art. Man philosophierte nicht mehr, sondern ließ mehr oder weniger den neuen Geist so intensiv auf das Bewusstsein wirken, dass keine Zeit für weise Spielereien blieb.
Sie waren in einer Art Somnambulismus befangen und täuschten aber trotzdem Zivilcourage vor, falls es so etwas überhaupt noch geben sollte.
Die Gegenwart auszukosten war ihnen allen möglich. Die Vergangenheit abzulegen und keine Gedanken an die Zukunft zu verschwenden, war ihnen allen eine Selbstverständlichkeit.
Die vereckte Zeit hatte nun ihr letztes Sandkorn fallen lassen.
🔗Die Nachbarin hilft mir, den aufrechten Gang zu erlernen.
Die Nachbarin zeigt mir auch, dass man mit kleinen Sachen große Freude machen kann.
Die Nachbarin besitzt ehrliche Überzeugung & eine Einstellung, die mir das Leben von einer angenehmen Seite zeigt.
Die Nachbarin wohnt zwar alleine, hat aber in ihrem Herzen Platz für viele Menschen, die ihr zusagen.
Die Nachbarin würde sich total wundern, wenn ihr ein Engel Flügel montiert, damit allen gezeigt wird, was für ein guter Stern sie ist.
Sie schenkt Liebe, Zuversicht & Optimismus & Glück ……
🔗Sie packten also ihre Siebensachen, genossen den Anblick der Höhen und schritten marsmächtig die andere Seite des Berges langsam hinab.
Er wunderte sich über seine Begleitperson, die ihm zwar Gefährte war, aber doch nicht folgen konnte. Da war keine Überheblichkeit in seinen Gedanken, sondern bloß nüchternes Rechnen.
Wie viel Interessantes steckte im Anderen, das Jenem nie offenbart werden konnte, weil er eine Nuance anders lebte!
Zweifel steigen auf in Köpfen beider – siehe VIII. TAG! Noch peinlicher als die selbst gefühlte Peinlichkeit, ist die Peinlichkeit, mit diesem ‚Mittelding‘ an die Öffentlichkeit zu treten…
🔗… es war einmal ein fröhlicher Mensch, der wollte ein Buch für Kinder & Erwachsene schreiben. So beschloss er mit seinem Freund, der malen konnte, diese Sache sofort in Angriff zu nehmen. Doch leider waren sie so phantasielos, dass sie in ihren eigenen vier Wänden keine anregenden Gedanken fassen konnten, denn es sollte ein sehr anregendes Buch werden, dass nach dem Ansehen nicht einfach auf Nimmerwiedersehen in eine Ecke geworfen und vergessen wird.
So wählten sie als Ort der Anregung der Gedanken die verschiedensten Friedhöfe ihrer Stadt.
Sie trafen sich einmal pro Woche zu Spaziergängen auf Friedhöfen. Jeder war ausgerüstet mit Papier und Bleistift, und auch ein Fotoapparat und ein Diktiergerät unterstützte sie bei ihrer wichtigen Aufgabe.
Manche Erwachsene würden sagen, dass sie in dieser Zeit besser etwas Sinnvolles machen sollten. Doch eben weil sie fest davon überzeugt waren, dass jede Unternehmung in irgendeiner Weise Sinn hatte, kämpften sie somit dadurch gegen diese Klischeevorstellung an.
Diese Erzählung ist ein besseres Friedhofstagebuch, mit viel Eintönigkeit, welche an eingefriedeten Orten natürlich vorherrscht, was viele davon abhalten würde, ein Märchenbuch für Kinder & Erwachsene zu schreiben.
🔗„Du solltest nur in diesem Stil schreiben!“, meinte der F.B. zu mir. „Das würde das Publikum sicher mehr ansprechen!“
„Ich will doch auch meinen Spaß an der Sache haben! Es erinnert mich an die Schulzeit, wo ich in den Taschenrechner sieben – drei – fünf – drei, drei – eins – fünf eintippte, und diesen dann meinem Nachbarn mit verdrehtem Ziffernblatt hinschob. Das lustigste war sein hochrotes Gesicht, nachdem er gelesen hatte, was darauf geschrieben stand!“
„Du bist noch immer ein ganzes Kind!“
„Ich wollte, ich wäre es, dann bräuchte ich mir keine Gedanken über Mittel & Dinge zu machen!“
„Gibst Du zum Abschied noch etwas zum Besten?“
„Also gut, ich versuche mich in einem Gedicht (Faust nachempfunden)!“
🔗The satanic childhood living
"Am I an angel?" asked the child
"If I’m a devil am I wild!
Please tell me, whether I am wrong
No matter why, I am so strong
The devil-like great feeling
has a real gloriously fame
All silly things have
changed with this,
there’s nothing else
to blame."
Sie trotteten die Ebene entlang und in ihren Köpfen war Fröhlichkeit.
Eindruck hatten sie geschunden, und mehr wollten sie damit auch nicht erreichen.
Wer sie wirklich waren, und was sie wirklich vorhatten, das behielten sie letztendlich für sich. Denn niemand konnte in ihre Herzen sehen.
Innerlich lachten sie über alle, die sie ernst nahmen. Dass es möglich ist mit Venusschwangeren zu beeindrucken, hätten sie nie gedacht. Die ersten Ideen, die ersten Gedanken, die sie anderen mitteilten, hatten eine so phänomenale Wirkung, dass sie Freude daran hatten, dies zu tun.
Die zwei ziehen an einem Seil, gemächlich, aber nicht faul, strotzend vor Kraft, aber friedlich.
Sich nicht gleich verletzt fühlen, bei direkten Bemerkungen des anderen. Zuerst versuchen, das gute Gedankengut der anderen ‚Seele‘ zu verarbeiten. Schließlich wird in den meisten Fällen kein übler Nachgeschmack mehr überbleiben.
Die ungeschickte sprachliche Ausdrucksweise des anderen verzeihen können, und mehr auf die Aussage achten, als auf vielleicht verletzende Einzelworte.
Moral, Religion, Politik, Gesellschaftsformen vergessen, um auf den Menschen besser eingehen zu können.
Immer hinaufsteigen, damit man wieder herunterklettern kann.
Sinn suchen das Leben hindurch.
Probieren, zufrieden zu sein, aber immer höhere Ziele stecken.
„Du hast mich am sechzehnten Tag gefragt, wann ich zum letzten mal geweint habe, jetzt frage ich Dich, wann Du zum letzten mal gelacht hast!?“
„Das letzte mal war bei mir, als ich betrunken war! Oder, halt, nein, als ich das Neugeborene von Freunden sah!
Ich war einfach glücklich über den neuen Erdenbürger und hatte das Gefühl ihm alles Gute vermitteln zu müssen. Denn es zählt zu den schönsten Aufgaben, frisch dazu gestoßenen Gästen, eine Einführung in die Welt zu geben, ohne zu heucheln und ohne eine Rolle vorzuspielen. Jeder gewöhnt sich gewissen Personen gegenüber mit der Zeit eine gewisse Rolle an. Meiner Frau spiele ich immer den ‚allen Situationen Gewachsenen‘ vor. Ich spiele diese Rolle bis jetzt schon acht Jahre mit Erfolg!“
„Das glaubst Du wirklich?“, fragte ich ihn erstaunt.
„Meinst Du nicht eher, dass sie darauf verzichtet Dir das Gegenteil zu beweisen, aus dem einfachen Grund, weil sie nicht möchte, dass Deine Idealvorstellung zerstört wird?“
„Du hast wahrscheinlich recht! Doch, da fällt mir noch eine Episode ein, die mich in letzter Zeit zum Lachen gebracht hat: Meine Frau ruft mich am Arbeitsplatz an und meint zu mir, ich sollte möglichst rasch zu ihr nach Hause kommen. Als ich sie nach dem Grund fragte, meinte sie einfach: ‚Ich fühle mich gerade so schön!’“
„Wen sollte das nicht zum Lachen bringen?
Ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha!
Wir alle brauchen jemanden, an den man sich anlehnen kann!“
F I N E
„Wäre dieses Ding doch was T A U G E N D E S , B R A U C H B A R E S , W E R T V O L L E S !"